Schlagwort: Frühling

Es war einmal…

Vögel zwitschern lustvoll, der Specht hämmert wie ein Irrer gegen den Stamm, Bienen und Hummeln summen im üppig blühenden Schlehenbusch, die Sammlerinnen sind vermutlich wie betäubt vom Überangebot der weißen Blütenpracht. Die Pflanzen schießen aus dem Boden, Blütenblätter spitzen aus den Knospen heraus und huldigen der wärmenden Sonne. So oder so ähnlich fiebert die Natur in ihrem Wahn

Wieder so ein Bilderbuchtag, kitschig und wirr. Vögel zwitschern, der Specht hämmert wie bekloppt, Bienen und Hummeln summen im Schlehenbusch herum, vollgedröhnt vom Blütenduft. So oder so ähnlich fiebert die Natur in ihrem Wahn dem Frühling entgegen. Dazu liegt die Kraft der Erneuerung in der Luft. Es riecht frisch, zart, betörend. Die Sonne lacht vom Himmel, so ließen sich diese Tage beschreiben, uneinnehmbar.

Aber da ist noch etwas  Anderes, in diesem Frühling. Es ist ungewohnt still zwischen den Bienen und den Vögeln. Die Welt ist erstarrt, mitten im irdischen Erwachen. Eine Parallelwelt ist da. Hier der Frühling – Dort die Welt. Die Menschen befinden sich in sozialer Vereinzelung, man grüßt sich misstrauisch und achtet peinlich berührt auf  diese Distanz, die sich mit unserem Empfinden füreinander nicht vereinbaren lässt. Der Frühling kommt, trotzdem, ungefragt und enthemmt. Im Jetzt sind wir mit anderen Dingen begriffen.  Bienen, Hummeln, Kröten, Schnecken – Mensch, halte Abstand! Geht das gut?

Im Jetzt sind wir dabei, uns diese Phase zu nehmen. Wir erlauben es uns nicht, dabei sein können. Damit fehlt etwas im Leben, das nicht nachzuholen ist. Der Anfang und das Ende, sind einfach – weg! Jetzt sollen wir nicht mehr dabei sein dürfen, weil Andere das für uns entscheiden, dass das gut für die Gesellschaft sei. Geboren werden und sterben, das sind zwar die elementaren Inbegriffe des Lebens selbst – wir lassen es zwar als Solches zu, aber gerade noch so. Das Sterben schon nicht mehr. Woran darf in unserer Gesellschaft ein alter Mensch sterben? Woran nicht, das steht fest. Hätte meine Tante daran sterben dürfen, die über Jahre bettlägerig und hilflos vor sich hin leben musste, weil sie nicht sterben konnte. Was wäre eigentlich, wenn wir damit anfangen würden, uns mit der Frage danach zu beschäftigen: Wie stellen wir uns unseren Tod vor? Darf es aktuell ausgesprochen werden, dass der Tod zum Leben dazu gehört? Kürzlich hat ein Freund zu mir gesagt, „er sei froh, dass seine Mutter noch vor dieser Zeit gestorben sei“. So ein Satz kann doch nicht so bleiben. Nicht dieser Mensch, sondern dieser Zustand, ist irr!