Begegnungen

Buenas Noches!

Ein Abend wie einige andere – Wir gehen, wie so oft noch Tapas essen und sind wieder auf dem Heimweg, erstaunlicherweise als die eher Letzeren, die Lokale räumen auf. Einer der Angestellten räumt die Stühle weg, kommt mit seiner Sackkarre – und plötzlich überholt er uns, wir entschuldigen uns; denken, wir Idioten stehen im Weg herum und machen ihm Platz für seine abendliche To-Do-Runde. Aber, was will er? Er nimmt einen U-Turn, lädt entschlossen anstatt der Stühle entschlossen unsere Tochter auf seine Karre. Einfach so! Die Beiden lachen sich halb kaputt, haben ihren Spaß und wir verabschieden uns – Buenas Noches! Und denken uns, genau so kann man auch seine Arbeit machen!

„So ein dunkles Loch“

Inzwischen ist fast die Hälfte unserer Zeit vorbei. Oder ich sollte sagen: Wir haben noch die Hälfte unserer Zeit vor uns. Wir haben uns eingewöhnt in eine Inselstadt – eine Inselstadt mit Brücke, Autobahn und Zugverbindung und trotzdem fühlt es sich an wie eine Insel. Die Menschen sprechen auch wie auf einer Insel, und sie beklatschen sich wie auf einer Insel, das Gefühl der Zugehörigkeit scheint mir hier besonders groß zu sein.

Gestern war ein heller, lichtdurchfluteter Tag. Frische Luft, aufmüpfige Wellen und Aussichten gefühlt bis nach Afrika oder Amerika – je nachdem in welche Richtung geschaut wird. Die Gischt fliegt uns wie Seifenblasen um die Ohren und verliert sich weiter oben, in der Luft, über dem Strand, im Himmel. Wer hier entlang springt, hüpft, mäandert, geht oder auch nur da sitzt, kann den freien Geist, der sich hier aufdrängt, förmlich greifen. Wie die Gischt-Seifenblasen fliegen die Gedanken herum, verflüchtigen, spielen oder verdichten sich.

Eine kurze Weile später stehen wir  oben auf dem Turm, mitten im alten Teil der Stadt. Hier reicht der Blick noch weiter. Es ist Anfang November und noch immer erfüllt so gut wie jede Minute Tageslicht die Menschen mit Sonnenlicht, reflektiert vom Weiß der Häuser, alternativ vom weißen Sandstrand, der sich über die gesamte Küste entlang, von Tarifa bis nach Faro zieht. Was ein Privileg, hier zu leben!

Es klingt so banal, aber das Licht ist hier einfach Besonders, gefühlt ständig, fast täglich.

Gedanken schweifen, so ähnlich wie mein Blick – jetzt drängt sich neben mich ein deutscher Kreuzfahrertourist; er ist nur einer von vielen, welche hier in großen Mengen durch die Gassen drängen, sie kommen und gehen wie die Wellen am Strand. Und natürlich möchten sie auch gerne die Stadt von oben sehen möchten. Die Kreuzfahrtmenschen werden also von den großen Schiffen mit so schönen Namen wie „Die Perle“ oder der „Oase der Meere“ stundenweise in die Stadt ausgespuckt und fluten die nahe liegenden Gassen. Dieser Mensch hier hinter, bzw. jetzt bei mir, kümmert sich nicht um sein rechts oder links neben sich, doch er markiert sein Revier mit einem Satz, der noch länger bei mir hängen bleibt: Cádiz, diese Stadt, ja so ein dunkles Loch.“

Es ist doch sehr gut, dass diese Schiffe schnell wieder weiterfahren!