A noche

Es ist einer dieser besonderen Abende, die man vermutlich gar nicht mehr zur Kenntnis nimmt, wenn man längere Zeit in der Stadt lebt. Das Wasser ist weit draußen, der Strand breit und tief – und von weitem sieht man nur das Blinken der Angelspitzen. Wer näher an das Wasser geht, entdeckt die beiden Menschen, die da noch neben ihren Angeln sitzen.

Meistens bleibt es ruhig, bisher habe ich noch keinen Fisch gesehen. Außer, dass wir kürzlich auf einen drauf gestiegen sind beim Surfen und im Herbst konnten wir immer viele beim Schnorcheln sehen.

Was ein Luxus, mitten in der Stadt, mal eben über die Straße gehen und die Angel aufstellen. Das ist Lebensqualität.

Selbst morgens um 5 Uhr ist es in Cádiz nie richtig dunkel. Das verschieden farbige Licht der Laternen leuchtet immer. Die einzelnen Glühbirnen gehen zu unterschiedlichen Zeiten an, sie haben blaues, weißes und gelbes Licht. Still ist es auch nie. Das Wasser schwappt Tag wie Nacht an die Mauer, es macht keine Pause, nie, nie nie! Da ist keinen Schalter.

Ich weiß manchmal nicht, ob mich die Präsenz des Ozeans eher bedroht oder beruhigt. Es ist immer von beiden Gefühlslagen etwas dabei. Der Atlantik ist zu groß, zu dunkel und zu weit, als dass er einem das Gefühl gibt, gut aufgehoben zu sein – so, wie es sich beispielsweise beim Spaziergang durch einen grünen, belaubten, dichten Wald anfühlt. Stattdessen vermittelt das Wasser Weite und der Wind bringt sowieso immer alles durcheinander.

Entweder, dem Hirn gelingt es, sich zu lösen und zu lockern, oder, nein, es gibt hier kein „oder“ – Das Meer lässt einem gar nichts Anderes übrig, als mit freien Gedanken durch den Tag zu gehen.