Der Wert der Begegnung

Gestern meinten unsere Kinder, dass sich viele Leute beim Spaziergehen nicht grüßen, nachdem wir miteinander spazieren waren. Stimmt, diese Beobachtung, ist aber nicht unbedingt neu. Auch schon vorher haben sie diese Feststellung mit uns geteilt, hatten sie in dem Moment nur vergessen. Und vor allem waren unsere Kinder zu anderen Zeiten nicht auf diese an sich lapidare Form der Begegnung angewiesen – Jetzt ist es ihr einziger Kontakt! Unfassbar, oder? Erwachsene gehen zur Arbeit, kaufen ein und bewegen sich durchaus reduziert, aber dennoch in der Öffentlichkeit. Kinder mutet man diese fast 100% soziale Isolation ohne Nachzudenken einfach zu. Punkt.

Zwischenfrage: Sind häusliche Gewalt und deren Opfer gegenüber dem Todesfall im Altersheim weniger problematisch für eine Gesellschaft? Beides wollen wir nicht.

Stattdessen, zurück zum Spaziergang, was neu daran ist beim Spaziergehen: Nicht wenige der „Auch-oder-Trotzdem-Spaziergänger“ schauen, während man sich im Spaziergangstempo einander annähert und irgendwann dieser unvermeidliche Moment des Aneinander-Vorbeigehens vollzogen werden muss – sofern der Andere nicht schon in den Graben gesprungen ist – peinlich berührt in den Boden oder zur Seite, kneifen dabei sichtbar die Lippen zusammen und schauen dann leicht schief und von unten hinüber, zum Mitmenschen. Als ob das Virus Diejenigen anfallen könnte, die ein Lächeln verschenken.

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