Monat: April 2020

#artsforspring

Digitales Frühlingstreffen der Künster

„Kunst und Natur wollen erlebt sein. Nantesbuch und das Museum Sinclair-Haus sind Orte, an denen üblicherweise Künstler und Besucher zusammenkommen, um diese Erlebnisse zu teilen. Gerade im Frühling.

Der Frühling 2020 fordert andere Begegnungen. Die Stiftung Nantesbuch hat daher die vielen Künstlerinnen und Künstler, mit denen sie gerne zusammenarbeitet, zu einem digitalen Frühlingstreffen eingeladen.

Für #ArtsForSpring hat die Stiftung Nantesbuch Künstlerinnen und Künstler aller Disziplinen gebeten, innerhalb von 10 Tagen kurze originäre Video-Beiträge einzureichen, die sich in der Natur mit dem Thema Frühling auseinandersetzen.

In kürzester Zeit gingen daraufhin Beiträge aus ganz Europa und Übersee ein: Choreografinnen, Musiker, Autorinnen, Schauspieler, Videokünstlerinnen, Maler, Sängerinnen, Poetry Slammer, Gestalterinnen, Dokumentarfilmer, Bildhauerinnen, Fotografen, Sound Artists, Tänzerinnen, sogar ganze Chöre … Sie alle zeigen ihren ganz eigenen Blick auf das Thema dieses besonderen Frühlings. Ein Kaleidoskop unterschiedlichster Ideen und künstlerischer Sprachen. Auf stiftung-nantesbuch.de/artsforspring sind alle Beiträge zu einem großen optischen und akustischen Frühlingstreffen zusammengefasst.“

Der Wert der Begegnung

Gestern meinten unsere Kinder, dass sich viele Leute beim Spaziergehen nicht grüßen, nachdem wir miteinander spazieren waren. Stimmt, diese Beobachtung, ist aber nicht unbedingt neu. Auch schon vorher haben sie diese Feststellung mit uns geteilt, hatten sie in dem Moment nur vergessen. Und vor allem waren unsere Kinder zu anderen Zeiten nicht auf diese an sich lapidare Form der Begegnung angewiesen – Jetzt ist es ihr einziger Kontakt! Unfassbar, oder? Erwachsene gehen zur Arbeit, kaufen ein und bewegen sich durchaus reduziert, aber dennoch in der Öffentlichkeit. Kinder mutet man diese fast 100% soziale Isolation ohne Nachzudenken einfach zu. Punkt.

Zwischenfrage: Sind häusliche Gewalt und deren Opfer gegenüber dem Todesfall im Altersheim weniger problematisch für eine Gesellschaft? Beides wollen wir nicht.

Stattdessen, zurück zum Spaziergang, was neu daran ist beim Spaziergehen: Nicht wenige der „Auch-oder-Trotzdem-Spaziergänger“ schauen, während man sich im Spaziergangstempo einander annähert und irgendwann dieser unvermeidliche Moment des Aneinander-Vorbeigehens vollzogen werden muss – sofern der Andere nicht schon in den Graben gesprungen ist – peinlich berührt in den Boden oder zur Seite, kneifen dabei sichtbar die Lippen zusammen und schauen dann leicht schief und von unten hinüber, zum Mitmenschen. Als ob das Virus Diejenigen anfallen könnte, die ein Lächeln verschenken.

Es war einmal…

Vögel zwitschern lustvoll, der Specht hämmert wie ein Irrer gegen den Stamm, Bienen und Hummeln summen im üppig blühenden Schlehenbusch, die Sammlerinnen sind vermutlich wie betäubt vom Überangebot der weißen Blütenpracht. Die Pflanzen schießen aus dem Boden, Blütenblätter spitzen aus den Knospen heraus und huldigen der wärmenden Sonne. So oder so ähnlich fiebert die Natur in ihrem Wahn

Wieder so ein Bilderbuchtag, kitschig und wirr. Vögel zwitschern, der Specht hämmert wie bekloppt, Bienen und Hummeln summen im Schlehenbusch herum, vollgedröhnt vom Blütenduft. So oder so ähnlich fiebert die Natur in ihrem Wahn dem Frühling entgegen. Dazu liegt die Kraft der Erneuerung in der Luft. Es riecht frisch, zart, betörend. Die Sonne lacht vom Himmel, so ließen sich diese Tage beschreiben, uneinnehmbar.

Aber da ist noch etwas  Anderes, in diesem Frühling. Es ist ungewohnt still zwischen den Bienen und den Vögeln. Die Welt ist erstarrt, mitten im irdischen Erwachen. Eine Parallelwelt ist da. Hier der Frühling – Dort die Welt. Die Menschen befinden sich in sozialer Vereinzelung, man grüßt sich misstrauisch und achtet peinlich berührt auf  diese Distanz, die sich mit unserem Empfinden füreinander nicht vereinbaren lässt. Der Frühling kommt, trotzdem, ungefragt und enthemmt. Im Jetzt sind wir mit anderen Dingen begriffen.  Bienen, Hummeln, Kröten, Schnecken – Mensch, halte Abstand! Geht das gut?

Im Jetzt sind wir dabei, uns diese Phase zu nehmen. Wir erlauben es uns nicht, dabei sein können. Damit fehlt etwas im Leben, das nicht nachzuholen ist. Der Anfang und das Ende, sind einfach – weg! Jetzt sollen wir nicht mehr dabei sein dürfen, weil Andere das für uns entscheiden, dass das gut für die Gesellschaft sei. Geboren werden und sterben, das sind zwar die elementaren Inbegriffe des Lebens selbst – wir lassen es zwar als Solches zu, aber gerade noch so. Das Sterben schon nicht mehr. Woran darf in unserer Gesellschaft ein alter Mensch sterben? Woran nicht, das steht fest. Hätte meine Tante daran sterben dürfen, die über Jahre bettlägerig und hilflos vor sich hin leben musste, weil sie nicht sterben konnte. Was wäre eigentlich, wenn wir damit anfangen würden, uns mit der Frage danach zu beschäftigen: Wie stellen wir uns unseren Tod vor? Darf es aktuell ausgesprochen werden, dass der Tod zum Leben dazu gehört? Kürzlich hat ein Freund zu mir gesagt, „er sei froh, dass seine Mutter noch vor dieser Zeit gestorben sei“. So ein Satz kann doch nicht so bleiben. Nicht dieser Mensch, sondern dieser Zustand, ist irr!

Zurück im Zuhause

Es hat lange gedauert, bis wir der Abreise aus Cádiz und der Ankunft in der Bertholdstraße 2 mit unserem Kopf hinterher gekommen sind. Klingt kitschig, ich weiß, aber ist so. Natürlich, die Schule, die Arbeit, das eigene Bett – das war wieder da – aber trotzdem fühlt es sich anders an, so zurück versetzt in das Alte. Die Lebensfreude der Südspanier nicht mitnehmen zu können – das ist hart!

Erst jetzt mit der Covid19Pandemie wird es plötzlich leichter. Denn Distanz wird relativ. Plötzlich ist es vollkommen egal, ob die Freunde in Cádiz oder in Paris hocken oder in der Straße um’s Eck leben – denn auch dort sehe ich sie nicht und alles was aktuell zählt und trägt, ist die echte Verbundenheit und die innere Nähe! Es wird so wohltuend deutlich, dass Kontakt mehr ist als nur soziale Nähe. Auch ist es für alle gleich! Wir alle sind herausgerissen aus unserem Leben – da fallen wir darunter gar nicht mehr auf. Fast fühlt es sich so an, als ob wir im Umgang damit geübt sind. Kontakt auf Distanz halten, Sozialleben ohne körperliche Nähe, aber trotzdem Nähe – das geht! Sofern man nur will.