Monat: Dezember 2019

We work with the waves

Es ist Heiligabend.

Ein heller, leuchtender Tag – Wir radeln um die Stadt, besuchen unsere Lieblingsecken und entdecken dabei neue. Den Nachmittag verbringen wir bei 20 Grad Celcius am Strand, surfen bis in den Abend hinein, die Gischt umfließt uns weiß und glänzend, ein Farbenspiel, wofür nur schwer die passenden Worte zu finden sind. Wir genießen das Schauspiel und das Wasser, bis die Sonne untergeht und wir der Meinung sind, dass es genügt. Ein gelungener Tag – so sollte man meinen.

Aber, um es kurz zu fassen, beim Aufsperren unserer Fahrräder bricht der Schlüssel ab, allerdings verbindet dieses Schloß drei unserer Räder. Das einzig Gute daran ist, dass wir es nicht um eine Laterne oder ähnliches gewickelt hatten. Immerhin. Etwas zerknirscht bewegen wir unser Fahrradbündel an der Beach entlang und überlegen, wer und wie wir dieses Schloß öffnen können, bzw. wie wir dieses Monstrum nach Hause bekommen könnten, ohne dass der komplette Abend dieser Aufgabe verfällt.

Am Hopopupu, dem lokalen Surfershop, machen wir Pause – und siehe da – kreative, mitdenkende Menschen – holen ihre Flex vom Dachboden, und Ruck-Zuck – mit Schwimmbrille auf dem Kopf zum Schutz – ist unser Schloß kein Schloß mehr, sondern nur noch der wertlose Rest, das es eh schon war – und der Surfertyp meinte nur „We work with the waves“ – denn wer in aller Welt hat seinen Laden am Heiligabend um diese Uhrzeit überhaupt geöffnet.

Wir radeln mit dem besten Weihnachtsgeschenk, das wir bekommen konnten, beglückt nach Hause!

Pequeñas cosas

Es sind Kleinigkeiten. Es fängt damit an, dass wir die Zeitung von Zuhause nicht mehr vermissen, wir können einfach so durch die Stadt laufen, ohne uns zu verlaufen, wir verstehen Ooosschhho (Ocho = Acht) und Porrfa (Por Favor = Danke), wir hören aus dem Stimmenwirrwarr, welcher natürlich zum Sound einer Stand gehört wie das Gelbe zum Ei, einzelne Wörter und Sätze heraus, ohne dass wir uns darum bemühen müssen – allein das setzt schon wirklich sehr viel Energie für andere Dinge frei.

Wir bemerken witzige Details an den Häusern, die wir bisher übersehen haben, weil wir viel zu sehr damit beschäftigt waren, in den engen Gassen überhaupt zu wissen, wo wir lang wollen, wir haben für uns angenehme Plätze entdeckt, an denen wir abhängen und deren Besuch wir zu unseren Ritualen gemacht haben,  wir erschrecken nicht mehr bei den vielen Geräuschen, weil unser Hirn sie inzwischen einzuordnen weiß – der Aufzug, die Ambulanz, die Motos, die hörbaren Gewohnheiten unserer Nachbarn – überhaupt wird die zu Beginn überwältigende Geräuschkulisse beiläufiger, wir begegnen Menschen in der Stadt, die wir kennen und schätzen gelernt haben und wir grüßen uns erfreut, wir schmunzeln mit den Straßenarbeitern über die „Instagram-Poser“ an den immer gleichen Orten, wie Abziehbilder kommen uns diese Momente vor, wir werden im Stammcafe kommentarlos und freundschaftlich bedient, wir wundern uns nicht mehr über die südländischen Gewohnheiten, sondern haben sie zu den Unseren gemacht, weil sie einfach gesund und sinnvoll sind, der Kopf vergleicht nicht mehr ständig, weil sich der Geist zunehmend zuhause fühlt, die Kinder bewegen sich selbständig durch die Stadt, treffen dabei Freunde und werden eingeladen zum Spielen.

Die Kleinigkeiten lassen uns spüren: Wir sind angekommen!

So, Leute…

… heute ist Sturm!

Und ich fürchte, das ist erst der Anfang!

Außerdem sollte meinen, ist es im Haus kuschlig und warm – Stattdessen heult hier der Wind durch die Ritzen des Rollladenkasten, dass es auch nicht übertrieben wäre, eine Mütze aufzusetzen. Ich komme mir vor, ich säße im Zelt. Einziger Unterschied: Immerhin muss ich keine Zeltstangen festhalten.

Für heute Nacht ist die Wellenprognose deutlich höher, als das, was wir bisher erlebt haben. Ich bin gespannt!

Wohin? Woher?

Vor unserem Haus ist dieser ewig alte Posten in der Mauer. Ich stelle mir vor, wie hier die Wachen Ausguck gehalten hatten, wann das nächste Schiff am Horizont auftaucht. Die Händler wussten, dass sie ihre Waren bereit halten konnten und die ersten, die die Ankunft entdeckt hatten, machten den größten Umsatz.

„Ich mache in jedem Lebenselement Sport“

Ich weiß nicht, ob mein Eindruck täuscht, weil ich genauer hinschaue, als wie gewohnt: Der Sport scheint zur Stadt zu gehören, wie der Strand und das Meer zu Cádiz. Die Dicken, Übergewichtigen gibt es natürlich auch, aber egal ob mit dem Brett unterm Arm, joggend, sprintend oder sich an den öffentlich zugänglichen Turngeräten betätigend – Überall und gefühlt zu jeder Tageszeit, egal ob im Hellen oder im Dunkeln, sind Menschen anzutreffen, die sich aufmachen, sportlich aktiv zu sein.

Wohnen, wo andere

Heiraten!

Zugegeben, das Foto ist schon eine Weile her – aber nachdem heute der Postbote bei uns in der Tür stand, und vom Blick aus dem Fenster ehrlich beeindruckt war, ist die Zeit reif für dieses Bild! Wer bei uns zur Tür hereinkommt, schaut auf genau diesen Platz am Meer! Eben, wir wohnen, wo andere heiraten!

Monday Morning

Was eine Nacht! Irgendwann habe ich mir Ohrstöpsel geholt, weil der Wind so geheult hat – Wir konnten beide nicht schlafen. Unser Schulweg wie gewohnt entlang dem Meer ein besonderes Erlebnis. Warmer Wind bläst uns den Schlaf aus den Augen, wir lassen uns anschieben oder müssen kräftig treten. Hin und wieder spritzt uns die Gischt wach. Besser als jede Dusche: Südwind! Uah!

Was ein Winter-Wunder-Schulweg!

Am besten wärs!

Ich weiß nicht, wie Linn auf die Idee kommt. Wir radeln unseren Weg entlang, unseren Schul-, Arbeits- und sonstigen Weg, manchmal lege ich die Strecke bis zu viermal am Tag zurück – also eigentlich acht Mal. Manchmal halten wir an, schauen aufs Wasser, was dort so vor sich geht. Beobachten Fischerboote, Angler oder die Surfer. Plötzlich hält sie an, und sagt: „Am besten, man machts wie die Zugvögel.“

Was soll ich sagen – Sie hat Recht!