Monat: Oktober 2019

Gut, dass …

“ …. wir die Zahlen der Römer nicht mehr zum Rechnen verwenden.“

Wir schlendern durch das alte Römerlager Baelo Claudia, sind beeindruckt von den vorhandenen Resten der Therme, der Wasserleitungen, der gesamten Größe, dem Theater und den diversen Fischfabrikresten. Linn liest Asterix in Spanien, wir essen Tintenfisch-Kroketten und Camarones, sammeln Muscheln und Seeigelreste am Strand, und geniessen den Sonnenuntergang.

Ich stelle mir vor, wie es sich vor 2000 Jahren angefühlt haben muss, hier an genau diesem Strand zu lagern. Kein Wundern, dass sich die Römer ihre Tempel für die großen Götter gebaut haben! Es wäre mir auch recht gewesen, an diesem exponierten Ort gut beschützt worden zu sein. Die Straßenplatten sind durch Erdbeben verschoben und gehoben worden, der Wind pfeift in Richtung der Straße von Gibraltar und lässt die Schaumkronen auf dem Wasser tanzen, weit draussen schippern die großen Containerschiffe vorbei. Der feine Sandstrand umgibt die alten Mauern und lässt das nahe Afrika erahnen. Ein besonderer Ort!

Hey, Danke, Onkel Karl

„Leben beginnt mit dem ersten Atemzug und endet mit dem letzten Ausatmen. Dazwischen atmen und leben wir unsere verschiedenen Leben. Und dennoch, jedes Einatmen hält uns zusammen und verbunden – teilen wir doch gemeinsam die gleiche Luft.“ Jeppe Hein.

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Eben lese ich dies auf der website von NMAC – wollte heute dorthin. Eben habe ich erfahren, dass Onkel Karl sich auf den Weg gemacht hat. Sein Geist wird hier weiteratmen! Ich danke Dir.

14. Oktober 2019

Heute ist ein besonders schöner Tag am Meer. Das Wasser glitzert in verschiedenem Blau, der Wind weht eher sachte, dabei hat uns heute Morgen ein wilder Wind und plötzlicher Regen geweckt. Regen – hier in Cádiz! Erst dachte ich, heute können die Kinder wirklich nicht mit dem Rad zur Schule – aber so schnell das Wetter kam, so schnell ist es wieder verschwunden. Die Sonne kam raus – die Spanier blieben drin. Und so war der Strand menschenleer!

Levante

„Der Levante ist ein warmer Wind der Stärke 3 – 5.

„Sein Entstehungsgebiet ist das westliche Mittelmeer zwischen Spanien und nordafrikanischer Küste. Der Wind weht dort von Osten kommend (Ostwind) in westlicher Richtung. Durch die Sierra Nevada im Norden und den Atlas im Süden begrenzt, wird der Wind beschleunigt und durch die Straße von Gibraltar gepresst, um dann auf dem Atlantik wieder an Energie zu verlieren. Der Levante ist das ganze Jahr über in unregelmäßigen Abständen zu beobachten. In der Regel taucht dieses Phänomen alle zwei bis drei Wochen mit einer Dauer von drei bis fünf Tagen auf. Am stärksten ist der Levante zwischen Mai und Oktober. Die höchsten Geschwindigkeiten werden in der Straße von Gibraltar erreicht.

Surfer und Kiter nutzen diesen Wind an der Costa de Luz zwischen Tarifa und Cádiz. “ Wikipedia, 2019.

Heute morgen ist es wieder soweit. Der merklich warme Wind bläst aus dem Inland durch die Stadt und räumt auf. Alles schleckt er an und trocknet es; wie ein Föhn.

Das Meer glitzert blau. Eigentlich ist es jeden Tag total kitschig. Jeden Tag, Tag für Tag., immer noch kitschiger. Und jeden Tag leuchten hier diese unglaublich kitschigen Instagram-Sonnenuntergänge.

Cádiz ist eine Stadt wie ein Altersheim. Der Anteil alter, gebrechlicher, gehwagenbedürftiger Menschen ist sichtbar hoch. Die Generation zwischen Jung und Alt – zwischen Studienabschluß und Familienzeit – fehlt ernorm.

Die Menschen gehen weg, weil es keine oder nur schlecht bezahlte Arbeit gibt. Und einmal weg – länger weg. Der revolutionäre und frische Geist, der für Entwicklung, Aufbruch und Ideen sorgen könnte, der für zukunftsorientierte Inbesitznahmen der Stadt unabkömmlich ist, den scheint es nicht zu geben – Hier wird noch etwas passieren müssen, damit die Stadt nicht vergreist!