Monat: September 2019

Micro : Macro

Heute morgen beim Spaziergang am Strand – ich drehe meinen Kopf nach rechts – geht der Blick hinaus auf den offenen Atlantik. Die Wellen brechen sich, kurz bevor sie gleißend auf auf dem feinen, hellen weißen Sandstrand auslaufen. Das Licht der Morgensonne findet sich im Wasser wieder und spiegelt den blauen Himmel. Ein leichter Wind weht angenehm vom Meer herein an die Küste. Weiter vorne, stadteinwärts, tummeln sich im Line-up die Locals der Surfszene. Einzelne, schöne Wellen sind dabei. Hier bei mir, in diesem Strandabschnitt, finden sich Muscheln, runde Kiesel und auch ein paar gekrauste, rote Algen.

Heute morgen beim Spaziergang am Strand – ich drehe meinen Kopf nach links – es stehen unverrückbar Wohntürme neben- und hintereinander, wie Hamsterkäfige sind sie übereinandergestapelt. Immerhin schmücken sich manche Balkone durch die bunten Farbtupfer der Wäsche, die hier trocknet oder manchmal durch einen Blumentopf. Viele, viele Fenster reihen sich aneinander und übereinander. Manche dieser Wohnkästen wirken gestaltet, stehen da aber mit wenig Kommunikation zum Rechts und Links, zum Davor oder Dahinter. Architektur wie ein Akt der ästhetischen Verzweiflung, anstatt ästhetischer Definition. Das Innere der einzelnen Wohnschachteln wird geschützt von mehr oder weniger grauen Rollläden. Sie halten das Licht, die Wärme und die Einblicke von Außen vor dem Wesen des Inneren fern. Oder sollte ich sagen: Sie verbarrikadieren es. Ich denke an Schuhschachteln, Hühnerlegebatterien und Monumentalismus. Aus meiner Sicht, sind es einfach zu viele Menschen, die hier wohnen wollen oder sollen.

Ich weiß nicht so recht, wohin ich schauen soll – der Blick nach rechts macht den Kopf frei und lässt zu, dass der Wind mir die Haare zerzaust und das salzige Wasser plätschert angenehm warm um meine Füße. Ein nicht zu verachtender Moment. Aber im Augenwinkel sehe ich diese Monster trotzdem. Und diese Monster stellen einfach sehr viele Fragen!

Sportstunde

Am Campo del Sur

Gerade mache ich mir meine zweite Kanne Tee, da sehe ich, wie die Jungs und Mädels da draußen einfach Unterricht haben! So logisch und einfach zugleich: Ich erinnere mich an Diskussionen um vorhandene und nicht vorhandene Hallenbelegungszeiten, um Trainings- und Sportstunden, die ausfallen, weil „die Halle belegt war“, oder überhaupt erinnere ich mich an die vielen Sportstunden, die eigentlich gar keine waren, weil man überhaupt nicht zum Schwitzen kam. Hier sieht das anders aus! Das öffentliche Mobiliar wird in die Staffelläufe eingearbeitet, Bälle fliegen um die Bänke herum, der Fahrradweg liegt im „Aus“ – Es sieht wohltuend normal aus!

Wusstest du, dass…

Wale mit einer Gehirnhälfte schlafen, und mit der anderen Hälfte wach sein können?

Nach einer der schlaflosesten Nächte der letzten Monaten überhaupt, erinnere ich mich im Halbschlaf an die Grindwale in der Straße von Gibraltar. Vielleicht machen es die Menschen hier in der Stadt so, dass sie ihr Hirn teilweise ein- und ausschalten können. Ich jedenfalls kann nicht schlafen in dieser lauten und intensiven Stadt, in der sich ständig etwas bewegt, zappelt, Geräusche von sich gibt. Nur für ganz kurze Zeit ist es still – dann sind Grillen zu hören, die zirpen, und das Wasser, das gegen die Mauern schlägt. Aber für lange hält dieser Zustand nicht an. Dann kommt mitten in der Nacht die Müllabfuhr, oder die Bauzäune werden abgebaut, ein Auto fährt bereits los. Und es ist eigentlich fast immer taghell. Auch nachts! Der Leuchtturm schickt sein Licht im Kreis herum, fängt sich an den Hausmauern wieder; immerhin ist die Straßenbeleuchtung gelb.

Vielleicht geht es den Walen hier ja auch so, wenn sie im Wasser zwischen den großen Tankern, den Fischerbooten, den Beobachtungsbooten, den Fähren hin- und herschwimmen. Ein Hirn schläft – das andere wacht!