#artsforspring

Digitales Frühlingstreffen der Künster

„Kunst und Natur wollen erlebt sein. Nantesbuch und das Museum Sinclair-Haus sind Orte, an denen üblicherweise Künstler und Besucher zusammenkommen, um diese Erlebnisse zu teilen. Gerade im Frühling.

Der Frühling 2020 fordert andere Begegnungen. Die Stiftung Nantesbuch hat daher die vielen Künstlerinnen und Künstler, mit denen sie gerne zusammenarbeitet, zu einem digitalen Frühlingstreffen eingeladen.

Für #ArtsForSpring hat die Stiftung Nantesbuch Künstlerinnen und Künstler aller Disziplinen gebeten, innerhalb von 10 Tagen kurze originäre Video-Beiträge einzureichen, die sich in der Natur mit dem Thema Frühling auseinandersetzen.

In kürzester Zeit gingen daraufhin Beiträge aus ganz Europa und Übersee ein: Choreografinnen, Musiker, Autorinnen, Schauspieler, Videokünstlerinnen, Maler, Sängerinnen, Poetry Slammer, Gestalterinnen, Dokumentarfilmer, Bildhauerinnen, Fotografen, Sound Artists, Tänzerinnen, sogar ganze Chöre … Sie alle zeigen ihren ganz eigenen Blick auf das Thema dieses besonderen Frühlings. Ein Kaleidoskop unterschiedlichster Ideen und künstlerischer Sprachen. Auf stiftung-nantesbuch.de/artsforspring sind alle Beiträge zu einem großen optischen und akustischen Frühlingstreffen zusammengefasst.“

Der Wert der Begegnung

Gestern meinten unsere Kinder, dass sich viele Leute beim Spaziergehen nicht grüßen, nachdem wir miteinander spazieren waren. Stimmt, diese Beobachtung, ist aber nicht unbedingt neu. Auch schon vorher haben sie diese Feststellung mit uns geteilt, hatten sie in dem Moment nur vergessen. Und vor allem waren unsere Kinder zu anderen Zeiten nicht auf diese an sich lapidare Form der Begegnung angewiesen – Jetzt ist es ihr einziger Kontakt! Unfassbar, oder? Erwachsene gehen zur Arbeit, kaufen ein und bewegen sich durchaus reduziert, aber dennoch in der Öffentlichkeit. Kinder mutet man diese fast 100% soziale Isolation ohne Nachzudenken einfach zu. Punkt.

Zwischenfrage: Sind häusliche Gewalt und deren Opfer gegenüber dem Todesfall im Altersheim weniger problematisch für eine Gesellschaft? Beides wollen wir nicht.

Stattdessen, zurück zum Spaziergang, was neu daran ist beim Spaziergehen: Nicht wenige der „Auch-oder-Trotzdem-Spaziergänger“ schauen, während man sich im Spaziergangstempo einander annähert und irgendwann dieser unvermeidliche Moment des Aneinander-Vorbeigehens vollzogen werden muss – sofern der Andere nicht schon in den Graben gesprungen ist – peinlich berührt in den Boden oder zur Seite, kneifen dabei sichtbar die Lippen zusammen und schauen dann leicht schief und von unten hinüber, zum Mitmenschen. Als ob das Virus Diejenigen anfallen könnte, die ein Lächeln verschenken.

Es war einmal…

Vögel zwitschern lustvoll, der Specht hämmert wie ein Irrer gegen den Stamm, Bienen und Hummeln summen im üppig blühenden Schlehenbusch, die Sammlerinnen sind vermutlich wie betäubt vom Überangebot der weißen Blütenpracht. Die Pflanzen schießen aus dem Boden, Blütenblätter spitzen aus den Knospen heraus und huldigen der wärmenden Sonne. So oder so ähnlich fiebert die Natur in ihrem Wahn

Wieder so ein Bilderbuchtag, kitschig und wirr. Vögel zwitschern, der Specht hämmert wie bekloppt, Bienen und Hummeln summen im Schlehenbusch herum, vollgedröhnt vom Blütenduft. So oder so ähnlich fiebert die Natur in ihrem Wahn dem Frühling entgegen. Dazu liegt die Kraft der Erneuerung in der Luft. Es riecht frisch, zart, betörend. Die Sonne lacht vom Himmel, so ließen sich diese Tage beschreiben, uneinnehmbar.

Aber da ist noch etwas  Anderes, in diesem Frühling. Es ist ungewohnt still zwischen den Bienen und den Vögeln. Die Welt ist erstarrt, mitten im irdischen Erwachen. Eine Parallelwelt ist da. Hier der Frühling – Dort die Welt. Die Menschen befinden sich in sozialer Vereinzelung, man grüßt sich misstrauisch und achtet peinlich berührt auf  diese Distanz, die sich mit unserem Empfinden füreinander nicht vereinbaren lässt. Der Frühling kommt, trotzdem, ungefragt und enthemmt. Im Jetzt sind wir mit anderen Dingen begriffen.  Bienen, Hummeln, Kröten, Schnecken – Mensch, halte Abstand! Geht das gut?

Im Jetzt sind wir dabei, uns diese Phase zu nehmen. Wir erlauben es uns nicht, dabei sein können. Damit fehlt etwas im Leben, das nicht nachzuholen ist. Der Anfang und das Ende, sind einfach – weg! Jetzt sollen wir nicht mehr dabei sein dürfen, weil Andere das für uns entscheiden, dass das gut für die Gesellschaft sei. Geboren werden und sterben, das sind zwar die elementaren Inbegriffe des Lebens selbst – wir lassen es zwar als Solches zu, aber gerade noch so. Das Sterben schon nicht mehr. Woran darf in unserer Gesellschaft ein alter Mensch sterben? Woran nicht, das steht fest. Hätte meine Tante daran sterben dürfen, die über Jahre bettlägerig und hilflos vor sich hin leben musste, weil sie nicht sterben konnte. Was wäre eigentlich, wenn wir damit anfangen würden, uns mit der Frage danach zu beschäftigen: Wie stellen wir uns unseren Tod vor? Darf es aktuell ausgesprochen werden, dass der Tod zum Leben dazu gehört? Kürzlich hat ein Freund zu mir gesagt, „er sei froh, dass seine Mutter noch vor dieser Zeit gestorben sei“. So ein Satz kann doch nicht so bleiben. Nicht dieser Mensch, sondern dieser Zustand, ist irr!

Zurück im Zuhause

Es hat lange gedauert, bis wir der Abreise aus Cádiz und der Ankunft in der Bertholdstraße 2 mit unserem Kopf hinterher gekommen sind. Klingt kitschig, ich weiß, aber ist so. Natürlich, die Schule, die Arbeit, das eigene Bett – das war wieder da – aber trotzdem fühlt es sich anders an, so zurück versetzt in das Alte. Die Lebensfreude der Südspanier nicht mitnehmen zu können – das ist hart!

Erst jetzt mit der Covid19Pandemie wird es plötzlich leichter. Denn Distanz wird relativ. Plötzlich ist es vollkommen egal, ob die Freunde in Cádiz oder in Paris hocken oder in der Straße um’s Eck leben – denn auch dort sehe ich sie nicht und alles was aktuell zählt und trägt, ist die echte Verbundenheit und die innere Nähe! Es wird so wohltuend deutlich, dass Kontakt mehr ist als nur soziale Nähe. Auch ist es für alle gleich! Wir alle sind herausgerissen aus unserem Leben – da fallen wir darunter gar nicht mehr auf. Fast fühlt es sich so an, als ob wir im Umgang damit geübt sind. Kontakt auf Distanz halten, Sozialleben ohne körperliche Nähe, aber trotzdem Nähe – das geht! Sofern man nur will.

Weihnachts-Playa

Vielleicht versteht diese Bilder nur, wer in Cádiz schon eine Zeit verbracht hat. La Caleta als der zentrale Stadtstrand, mit seinem edlen Badehaus, das aus vergangener Zeit erzählt und im James Bond Muere otro Dia eine ikonografisch wesentliche Rolle spielt – In der Stadt die gemalten Portraits am Zentralen Markt, die tatsächlich ringsum um das Gebäude angebracht sind – und für die Weihnachtszeit mit neuen, gemalten Portraits bestückt worden sind. So witzig – so fröhlich. So passend zur Frohen Weihnachtszeit! Und Baden waren wir auch.

We work with the waves

Es ist Heiligabend.

Ein heller, leuchtender Tag – Wir radeln um die Stadt, besuchen unsere Lieblingsecken und entdecken dabei neue. Den Nachmittag verbringen wir bei 20 Grad Celcius am Strand, surfen bis in den Abend hinein, die Gischt umfließt uns weiß und glänzend, ein Farbenspiel, wofür nur schwer die passenden Worte zu finden sind. Wir genießen das Schauspiel und das Wasser, bis die Sonne untergeht und wir der Meinung sind, dass es genügt. Ein gelungener Tag – so sollte man meinen.

Aber, um es kurz zu fassen, beim Aufsperren unserer Fahrräder bricht der Schlüssel ab, allerdings verbindet dieses Schloß drei unserer Räder. Das einzig Gute daran ist, dass wir es nicht um eine Laterne oder ähnliches gewickelt hatten. Immerhin. Etwas zerknirscht bewegen wir unser Fahrradbündel an der Beach entlang und überlegen, wer und wie wir dieses Schloß öffnen können, bzw. wie wir dieses Monstrum nach Hause bekommen könnten, ohne dass der komplette Abend dieser Aufgabe verfällt.

Am Hopopupu, dem lokalen Surfershop, machen wir Pause – und siehe da – kreative, mitdenkende Menschen – holen ihre Flex vom Dachboden, und Ruck-Zuck – mit Schwimmbrille auf dem Kopf zum Schutz – ist unser Schloß kein Schloß mehr, sondern nur noch der wertlose Rest, das es eh schon war – und der Surfertyp meinte nur „We work with the waves“ – denn wer in aller Welt hat seinen Laden am Heiligabend um diese Uhrzeit überhaupt geöffnet.

Wir radeln mit dem besten Weihnachtsgeschenk, das wir bekommen konnten, beglückt nach Hause!

Pequeñas cosas

Es sind Kleinigkeiten. Es fängt damit an, dass wir die Zeitung von Zuhause nicht mehr vermissen, wir können einfach so durch die Stadt laufen, ohne uns zu verlaufen, wir verstehen Ooosschhho (Ocho = Acht) und Porrfa (Por Favor = Danke), wir hören aus dem Stimmenwirrwarr, welcher natürlich zum Sound einer Stand gehört wie das Gelbe zum Ei, einzelne Wörter und Sätze heraus, ohne dass wir uns darum bemühen müssen – allein das setzt schon wirklich sehr viel Energie für andere Dinge frei.

Wir bemerken witzige Details an den Häusern, die wir bisher übersehen haben, weil wir viel zu sehr damit beschäftigt waren, in den engen Gassen überhaupt zu wissen, wo wir lang wollen, wir haben für uns angenehme Plätze entdeckt, an denen wir abhängen und deren Besuch wir zu unseren Ritualen gemacht haben,  wir erschrecken nicht mehr bei den vielen Geräuschen, weil unser Hirn sie inzwischen einzuordnen weiß – der Aufzug, die Ambulanz, die Motos, die hörbaren Gewohnheiten unserer Nachbarn – überhaupt wird die zu Beginn überwältigende Geräuschkulisse beiläufiger, wir begegnen Menschen in der Stadt, die wir kennen und schätzen gelernt haben und wir grüßen uns erfreut, wir schmunzeln mit den Straßenarbeitern über die „Instagram-Poser“ an den immer gleichen Orten, wie Abziehbilder kommen uns diese Momente vor, wir werden im Stammcafe kommentarlos und freundschaftlich bedient, wir wundern uns nicht mehr über die südländischen Gewohnheiten, sondern haben sie zu den Unseren gemacht, weil sie einfach gesund und sinnvoll sind, der Kopf vergleicht nicht mehr ständig, weil sich der Geist zunehmend zuhause fühlt, die Kinder bewegen sich selbständig durch die Stadt, treffen dabei Freunde und werden eingeladen zum Spielen.

Die Kleinigkeiten lassen uns spüren: Wir sind angekommen!

So, Leute…

… heute ist Sturm!

Und ich fürchte, das ist erst der Anfang!

Außerdem sollte meinen, ist es im Haus kuschlig und warm – Stattdessen heult hier der Wind durch die Ritzen des Rollladenkasten, dass es auch nicht übertrieben wäre, eine Mütze aufzusetzen. Ich komme mir vor, ich säße im Zelt. Einziger Unterschied: Immerhin muss ich keine Zeltstangen festhalten.

Für heute Nacht ist die Wellenprognose deutlich höher, als das, was wir bisher erlebt haben. Ich bin gespannt!

Wohin? Woher?

Vor unserem Haus ist dieser ewig alte Posten in der Mauer. Ich stelle mir vor, wie hier die Wachen Ausguck gehalten hatten, wann das nächste Schiff am Horizont auftaucht. Die Händler wussten, dass sie ihre Waren bereit halten konnten und die ersten, die die Ankunft entdeckt hatten, machten den größten Umsatz.